
Wärme aus dem Wald
Im Kleinzeller Kurhotel Salzerbad, inmitten der niederösterreichischen Voralpen, wurde vor kurzem eine moderne Heizungsanlage in Betrieb genommen. Die Wahl des Brennstoffes Holz bereitete den Entscheidungsträgern kein Kopfzerbrechen, liegt doch das Heilbad mitten im Herz der waldreichsten Gegend Österreichs.
Lange Geschichte
Schon den Soldaten des Römerlagers Aelium Cetium (heute St. Pölten) dürfte die Solequelle im heutigen Salzerbad bekannt gewesen sein und auch aus der Zeit der Babenberger stammen Bezeichnungen, die auf eine frühe Salzgewinnung hinweisen.
Das alte Wissen von der Heilkraft des Salzes erfuhr in der K.u.K. Monarchie eine Neubelebung. Durch die Einführung der Eisenbahn konnte man die Solequellen nun leicht erreichen. 1866 plante und baute der K.u.K Architekt Rösner den Kurort „Salzerbad“, dessen Name auch amtlich bestätigt wurde. 1986 errichtete man in dieser traditionsreichen Gegend ein modernes Kur- und Erholungszentrum das seit 2008 ein Haus der DDr. Wagner Vital- und Kurhotels ist .
Quelle der Gesundheit
Die Kombination zwischen „Gesundheit und Erholung“ macht Salzerbad zu einem idealen Ort, wo Gäste in besonders schöner Landschaft Körper und Seele wieder in Form bringen können. „Die Besonderheiten des Hauses liegen in den natürlichen Solevorkommen und den damit verbundenen Therapien wie Bädern, Trinkkuren und Inhalationen. Solebäder sind die ideale Alternative zu Moorpackungen“, erklärt Maria Geppl. Als Hausleiterin ist sie für das Wohlbefinden von 190 Gästen verantwortlich. Von der neuen Heizungsanlage erwartet sie schmunzelnd: „Dass sie funktioniert“.
Die neue Heizzentrale
Für das Kurhotel Salzerbad war eine umweltschonende Hackschnitzelheizung erste Wahl. Ist doch der Bezirk Lilienfeld mit mehr als 82 Prozent Baumbestand die waldreichste Gegend Österreichs.
Bei einer Biomasseanlage entfallen auf die Brennstoffkosten ungefähr 50 Prozent der Gesamtbetriebskosten. Die Auswahl eines Hochleistungs-Holzkessel und die Verwendung von qualitativ hochwertigem, kostengünstigem Holzbrennstoff aus der Region, sind deshalb für die Wirtschaftlichkeit entscheidend. Obwohl die Anschaffungskosten der neuen Biomasseanlage höher als bei einer herkömmlichen Heizungsanlage war, werden die Einsparungen bei den Brennstoffkosten pro Wärmeeinheit in relativ kurzer Zeit zu einer Amortisierung der höheren Investitionskosten führen.
Der bestehende 750 kW-Kessel im Kurhotel Salzerbad hatte nach 17 Jahren Betrieb die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit überschritten. Noch vor dem Winterbetrieb musste die Wärmeversorgung gesichert sein. Holzheizungsfachmann Helmut Früwirth von Viessmann konzipierte mit Lehners Prokurist Manfred Janker das neue Kesselhaus. „Auf große Heizzentralen sind wir schon spezialisiert“, erzählt Janker nicht ohne Stolz, „haben wir doch 2010 bereits zehn große Kesselhäuser gebaut“.
Während des 4-wöchigen Umbaus übernahm eine Hotmobil-Containerheizung die Wärmelieferung. Die neue Energiezentrale ist nun mit zwei Hochleistungskesseln ausgestattet. Eine KÖB Pyrotec Rostfeuerung übernimmt die Abdeckung der erforderlichen 900 kW-Heizlast mittels geschreddertem Hackgut, ein Viessmann Niedertemperaturkessel für Heizöl EL handhabt mit 999 kW eine eventuelle Ausfallgarantie.
Rostfeuerung in bester Form
Der Pyrotec Kessel verwendet eine Feuermulde mit einem fallenden Außenrost und einem bewegten Ausbrandrost. So erzielt er optimale Verbrennungsergebnisse. Eine Einschubschnecke führt das Hackgut in die Feuermulde, wo er vorgetrocknet und unter genau gesteuerter Primärluftzufuhr entgast wird (Rostfeuerung). Auf dem Außenrost und dem bewegten Ausbrandrost wird der Brennstoff vollständig endgast. Präzise gesteuerte Sekundärluft wird eingeblasen, um das Syngas vollständig zu verbrennen. Die so entstandene Wärme wird an den dreifach-Wärmetauscher des Kessels abgegeben.
Diese hochentwickelte Verbrennungstechnik des Pyrotec erzielt ähnliche Emissionswerte wie eine moderne Gasfeuerungsanlage und hält die Abgabe von CO und NOx auf Werten, die denen einer modernen Heizungsanlage für fossile Brennstoffe entsprechen.
Eine umfassende Reihe von Anlagenkomponenten
Diese stellen den zuverlässigen und reibungslosen Betrieb der gesamten Anlage sicher.
Die saubere Verbrennung lässt lediglich die im unbehandelten Holz eingelagerten Mineralstoffe als Asche zurück. Ein Rost mit beweglichen Rostelementen extrahiert die Asche und leitet sie in den Aschebehälter. Sobald sie abgekühlt ist, leitet eine Ascheaustragungsschnecke die Asche in einen großvolumigen externen Aschecontainer. Der Abgasentstauber minimiert die Staubemissionen durch Filterung der Abgase aus einer Multizyklonanordnung. Ein sauberer Wärmetauscher ist ausschlaggebend für die Lebensdauer und Effizienz des Kessels. Die pneumatische Rohrreinigung entfernt mit kurzen Druckluftstößen regelmäßig die Asche aus dem Wärmetauscher und verlängert somit beträchtlich den wartungsfreien Kesselbetrieb.
Hackgut Zufuhrsystem
Die Qualität des Brennstoffs hat großen Einfluss auf Effizienz und die Lebensdauer der Anlage. Deshalb verwendet man in Salzerbad nur unbehandeltes Holz aus der Region und sorgt durch richtige Lagerung für einen geringen Feuchtigkeitsgehalt. Aus dem angrenzenden Hackgutbunker führen gleitend hydraulische Schubstangen den Brennstoff über eine Förderschnecke in das Heizhaus. So ist eine schnelle Kesselbefüllung mit großen Brennstoffmengen möglich. Ein im Brennstoff-Einschubrohr angebrachter Sensor erkennt die Gefahr von Rückbrand und wirkt dem sofort entgegen, indem er den Einschub zum Kessel erhöht. Ein horizontal wirkender Schieber mit Federrücklauf unterbricht die Brennstoffzufuhr bei Stromausfall und Rückbrandgefahr. Über die digitale KÖB-Regelung Pyrocontrol wird die Feuerungsanlage umfassend überwacht und kontrolliert.
Heizen mit Holz hat sichere Zukunft
Mit der Entscheidung für eine vollautomatische Hackschnitzelfeuerung, hat der Betreiber des Kurhotels Salzerbad nicht nur eine ökologisch gute, sondern auch eine ökonomisch richtige Wahl getroffen. Dies wird seine nächste Heizkostenabrechnung deutlich unter Beweis stellen. Im Gegensatz zum Öl- und Gaspreis ist der Holzpreis hausgemacht und deshalb keinen Spekulationen auf dem Weltmarkt unterworfen. Darüber hinaus schafft Holz als heimischer Energieträger, dessen Wertschöpfung in der Region stattfindet, zusätzliche Arbeitsplätze. Kluge Argumente, die nicht oft genug wiederholt werden können.
Reinhold Seeböck
Bilder / Bildzeilen
![]() | Bild 1Die Proponenten der neuen Energieversorgung: (v.l.) Helmut Frühwirth und Johann Faigl vom Hersteller Viessmann, Heizungsbauer Franz Lehner, Hausleiterin Dir. Maria Geppl und Prok. Manfred Janker |
![]() | Bild 2Salzerbad Hausleiterin Dir. Maria Geppl |
![]() | Bild 3Die neue Heizzentrale mit dem KÖB Pyrotec Rostfeuerungskessel und dem für Ausfallsreserve zur Verfügung stehenden Viessmann Vitoplex 200 Niedertemperaturkessel
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![]() | Bild 4Hackguteintrag in den Kessel |









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