
Dampf für die gläserne Fabrik
Dampf für die gläserne Fabrik
Der Großfleischer Karl Schirnhofer hat im oststeirischen Kaindorf 17 Millionen Euro in seinen Betrieb investiert und überzeugt heute mit nachhaltiger und ethischer Lebensmittelproduktion. Eine moderne Energieversorgung darf da nicht fehlen.
2007 ist der Unternehmer auf Ökostrom aus erneuerbaren Energiequellen umgestiegen und verarbeitet weitgehend CO2-neutral österreichisches Fleisch nach Europas strengstem Qualitätssicherungssystem. Bei Schirnhofer gibt es nur kontrollierte Qualität und Frische, vom Bauern bis zum fertigen Produkt, alles wird online überwacht. Sein ALMO-Almochsenfleisch stammt von Tieren, die auf Almen von Bergbauernbetrieben grasen und gentechnikfrei gefüttert werden. Schirnhofer ist Partner der Initiative „Bewusst kaufen. Klima schützen“ des Lebensministers Niki Berlakovich und darf seine Produkte mit der Marke „Regionale Qualität. Das bringt’s. Nachhaltig“ kennzeichnen. Kooperationen mit Greenpeace und Vier Pfoten sind für Schirnhofer eine Selbstverständlichkeit.
Die gläserne Fabrik
Durch den Ausbau neuer Produktionsflächen konnten in der 1.900 Mitarbeiter zählenden Schirnhofer Gruppe 80 neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Mit einem sehenswerten Besucherzentrum, auch „die gläserne Fabrik“ genannt, will Schirnhofer die Bevölkerung künftig ins Unternehmen holen, damit sie sich selbst ein Bild davon machen kann, wie sauber und kontrolliert hier die Verarbeitung des beliebtesten österreichischen Fleisches nach AMA-Gütesiegelkriterien erfolgt. Besuchern wird hier einerseits die Möglichkeit geboten, hautnah mitzuerleben, wie Lebensmittel produziert werden, und andererseits die gesamte Nahrungsmittelkette vom Humusaufbau, Landwirtschaft, Schlachtung, Zerlegung, Verarbeitung bis hin zur Vermarktung multimedial mitzuverfolgen.
Keine Wirtschaftskrise
Im Jahre 1926 gegründet, ist die Schirnhofer-Unternehmensgruppe heute zum größten im Familienbesitz befindlichen Fleisch- und Wurstwarenerzeuger in Österreich herangewachsen. Der Gruppenumsatz von 190 Mio Euro und mehr als 34.000 Tonnen produzierte Fleisch- und Wurstwaren untermauern diese österreichische Erfolgsgeschichte. „Die Wirtschaftskrise spüren wir nicht“, sagt Karl Schirnhofer. „Aber wir reden auch nicht ständig darüber“. Laut Studie des Handelsmagazins Cash (06/2009) liegt Schirnhofer bei Kaufpräsenz, Price Premium, Weiterempfehlung und Markenbindung in Österreich an erster Stelle.
Erweiterung der Energieversorgung wurde notwendig
Durch die um 10.000 m² erweiterte Produktionsfläche und deren zusätzlichen Energiebedarf war die bestehende 1.880 kW- Dampfkesselanlage deutlich überfordert. Ein neuer Dampfkessel mußte ins System eingebunden werden. Doch das im alten Bauteil liegende zu kleine Kesselhaus ließ keine weitere Aufstellung zu. Eberhard Feichtinger ist technischer Leiter im Hause Schirnhofer: „Wir haben die gesamte Planung für die Erweiterung unserer Dampfversorgung selbst abgewickelt. Nach eingehenden Überlegungen entschieden wir uns für die Platzierung eines kompletten Dampfcontainers im Betriebsfreigelände“. Über Kollektorgräben wurde die neue Energiezentrale mit dem bestehenden Heizungssystem verbunden. „So entstanden uns keine Baukosten und wir sind künftig flexibler, wenn wir einmal ein Biokraftwerk für die Region Kaindorf errichten“, ist Feichtinger gedanklich bereits in der Zukunft.
Eine komplette Dampfkesselanlage im Container
Mit der Lieferung des neuen Dampfkessels wurde der Heizkesselspezialist Viessmann betraut. „Die Entscheidung für Viessmann fiel klar aus“, erzählt Eberhard Feichtinger. „Der Mitbewerb konnte nicht all unsere Wünsche erfüllen. So wurden uns nur fixe technische Pakete angeboten, die nicht unseren Erfordernissen entsprachen. Entscheidend war für uns auch die Möglichkeit einer Wochenend-Umstellung von Hochdruck- auf Niederdruckdampf. Auch die frei programmierbare Regelung von Viessmann kommt unseren Anforderungen sehr entgegen“.
Mit 21 Tonnen (Abmessungen 4.20 m x 9.50m x 4.20 m Höhe) ist der Dampfcontainer kein Leichtgewicht. Er wurde jedoch mit allen erforderlichen Einbauten fix und fertig angeliefert. So konnte die Integration der neuen Dampfanlage in nur einem halben Tag erfolgen. Das Erscheinungsbild des Containers ist auf Kundenwunsch im hellen Beige der Schirnhofer-Gruppe gehalten. Selbst der Kamin weist exakt die dunkelrote Firmenfarbe auf und fügt sich so harmonisch in das weitläufige Firmengelände.
Dampf als idealer Energieträger
Herzstück des Containers ist der Hochdruck-Dampfkessel Vitomax 200-HS mit einer Leistung von 2.3 Tonnen Dampf.
„Der Hochdruck-Dampferzeuger Vitomax 200-HS erfüllt alle Anforderungen, die heute an einen modernen Dampfkessel gestellt werden“, erklärt Viessmann Projektbetreuer Kurt Bauernhofer. Der Dreizugkessel verbrennt über den gesamten Leistungsbereich umweltschonend und schadstoffarm. „Eigenschaften, die für das Haus Schirnhofer hohen Stellenwert besitzen“, ergänzt Technikchef Feichtinger.
Eine definierte, konstante Temperatur im Entstehungsbereich der Flamme unterstützt die stabile Flammenbildung und reduziert die NOx-Bildung.
Eine Ausmauerung ist beim Vitomax 200-HS nicht erforderlich, da die hintere rauchgasseitige Umlenkung vollständig wassergekühlt ist. Dadurch wird die erzeugte Wärme vollständig zur Dampferzeugung verwendet. Im Dampfraum mit seiner großen Ausdampffläche wird eine hohe Dampfqualität mit niedriger Restfeuchte erzeugt. Das ermöglicht eine brennerschonende Fahrweise und Resistenz gegenüber betriebsbedingten auftretenden Dampfspitzen. Auch die Brennereinführung erfolgt durch einen wassergekühlten Mantel. Ein Weishaupt Brenner für Heizöl EL bringt Servicevorteile, da die bestehenden Kessel ebenfalls mit diesen Fabrikaten bestückt sind.
Individuelle Systemlösungen von Spirax Sarco
Der Konstanzer Dampf- und Kondensatspezialist übernahm die Systemlösung, die auf die Prozess-Erfordernisse der Großfleischerei Schirnhofer optimal abgestimmt wurde. Großes Augenmerk wurde bereits bei der Erstellung des technischen Konzepts auf die Energieeinsparung gelegt. Dampfprofi Bernhard Hartlieb dazu: „Alles aus einer Hand versetzt uns in die Lage, Verantwortung zu übernehmen. Die Firma Schirnhofer muß sich bei Fragen nicht an eine Vielzahl von Lieferanten wenden“.
Spirax Sarco lieferte zum Viessmann Dampfcontainer einen 2.100 Liter Speisewasserbehälter mit thermischer Entgasung samt speziellen Drallrohr-Wärmetauscher zur Brüdendampfnutzung. Diese kompakte Alternative zu Rohrbündel-Wärmetauschern ist komplett aus Edelstahl gefertigt. Beim Turflow-WT werden die Rohre von außen mittels einer umlaufenden Rolle spiralförmig eingedellt, sodass es innerhalb des Rohres immer wieder zu Verengungen und Erweiterungen kommt. So wird die Turbulenz und die Strömungsgeschwindigkeit des Mediums deutlich erhöht und letztendlich der Wärmedurchgangskoeffizient optimiert. „Mit der so rückgewonnenen Energie erwärmen wir das Wasser eines Pufferspeichers von etwa 15° C auf 95° C, ehe es von der Speisepumpe wieder in den Dampfkessel eingeleitet wird“, erklärt Hartlieb den technischen Vorgang. Ebenfalls von Spirax Sarco stammen die Kondensatwirtschaft und die Abschlammanlage.
Sicherheit im Dreischicht-Betrieb
Die Produktion bei Schirnhofer läuft in drei Schichten von 5.00 bis 23.00 Uhr. Zehn Mitarbeiter sind geprüfte Dampfkesselwärter und arbeiten im Produktionsbetrieb mit. Dem Kundenwunsch nach einem kesselwärterfreien Wochenende konnte mit der Umschaltmöglichkeit von 6.6 bar Hochdruckdampf auf Niederdruckdampf unter 1.0 bar entsprochen werden. Ein 72 Stunden BOSB-System (Beobachtung ohne ständige Beaufsichtigung) überwacht verlässlich die Anlagenparameter, u.a. die Brenner-Leistungsregelung, die Wasserstands-Niveauregelung, die Leitfähigkeit der Kesselwasser-Absalzregelung und die Abschlammsteuerung und kann jederzeit online ausgelesen werden. Parallelen zu Schirnhofers einzigartiger Qualitätssicherung werden erkennbar.
Den Klimawandel ernst nehmen
Die bisherige Entwicklung des steirischen Vorzeigebetriebs ist eine unglaubliche Erfolgsgeschichte. Beeindruckend ist aber nicht nur der Erfolg des Unternehmens, sondern auch sein Einsatz gegen den Klimawandel. Schirnhofer ist Mitglied und treibende Kraft der Ökoregion Kaindorf. Sechs Gemeinden haben es sich zum Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2020 CO2-neutral zu sein, nicht nur die Privathaushalte, sondern vor allem auch die Gewerbe- und Industriebetriebe.
"Wir müssen sofort damit beginnen, die beginnende Klimaveränderung ernst zu nehmen. Alle müssen in Zukunft ressourcenschonender arbeiten und auch Taten setzen. Mit unserem Zubau und dem Besucherzentrum will ich zeigen, dass auch ein Fleischerbetrieb in seinem Bereich umfassende Maßnahmen gegen den Klimawandel setzen kann", unterstreicht Visionär Karl Schirnhofer den Weg, den er mit seiner „Gläsernen Fabrik“ eingeschlagen hat.
Reinhold Seeböck
Bilder / Bildzeilen
![]() | Bild 1Der Viessmann Vitomax 200-HS Hochdruck-Dampferzeuger erfüllt alle Anforderungen, die heute an einen betriebssicheren und wirtschaftlichen Dampfkessel gestellt werden |
![]() | Bild 2Der 2.100 Liter fassende Speisewasserbehälter mit aufgesetzter thermischer Entgasung |
![]() | Bild 3Sämtliche Sicherheits- und Dampfarmaturen kommen vom Dampfspezialisten Spirax Sarco |
![]() | Bild 4Der im Betriebsgelände frei aufgestellte Dampfcontainer ist auf Kundenwunsch in den Schirnhofer Farben gehalten |
![]() | Bild 5Das Projektteam der neuen Dampfanlage: v.l. Schirnhofer Technikchef Eberhard Feichtinger Viessmann Projektleiter Ing. Kurt Bauernhofer und Spirax Sarco Spezialist DI (FH) Bernhard Hartlieb |










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