Die Klassische Moderne ist zeithältig interpretiert

Eines der bedeutendsten Häuser der Architektur ist in Wien zum Verkauf angeboten worden: die um 1930 errichtete Villa Beer von Arch. Josef Frank.
Nach einer Besichtigung war für das Ehepaar Massera eines klar: Sie hatten für ihren geplanten Neubau den Stil in Sachen Wohnkultur gefunden.


Mit der Villa Beer realisierte Josef Frank ein offenes Raumkonzept, das über herkömmliche Geschoß- und Zimmerteilungen hinausging – damals sehr modern.

„Oft wird über eine veraltete Gebäudekonzeption oder über das Fehlen einer kompositionellen Idee mit einer modischen Aufmachung aus Glas und Beton hinweggetäuscht. Um vorwärts zu kommen, müssen neue Möglichkeiten des Bauens erschlossen werden“, sagt Architekt Gerhard Steixner.

Welch glücklicher Zufall, der das Ehepaar Massera mit dem Visionär Steixner zusammenführte. Rasch konnte dieser die Bauherren von den veränderten Ansprüchen an das Wohnen hinsichtlich Konstruktion und Energienutzung überzeugen.

So entstand am Fuße des Kahlenbergs, eine in den Hang gesetzte, räumlich großzügige, Licht durchflutete und mit dem Garten zu einer Einheit verschmolzene Villa für Zwei.

Die Tragekonstruktion des Hauses ist ein moderner, witterungsbeständiger Blockbau aus Stahlbeton und Brettschichtholz. Das nun wirtschaftlich sehr effiziente Gebäude verbindet die Vorteile des Leichtbaus mit jenen des Massivbaus. Die Räume wurden unter Verwendung der Materialien Stein, Holz, Glas, Metall, Textilien und Kunststoff gestaltet.

Der Heizungsbauer Ulrich Hödlmoser konzipierte dazu ein innovatives Anlagensystem zur aktiven Nutzung der Sonnen- und Erdwärme, welches ein umweltfreundliches und kostengünstiges Beheizen und Kühlen des gesamten Hauses ermöglicht.

Alleine die passive Nutzung von Sonnenenergie verringert den Energiebedarf des
Hauses Massera erheblich. Raumprägendes Element ist eine die Nordseite begrenzende Absorberwand mit einem südlich vorgeschalteten, geneigten Oberlichtband, die wahlweise zum Heizen oder Kühlen eingesetzt werden kann.

Die aktive Nutzung der Erdwärme mittels einer Wärmepumpe in Verbindung mit Solarkollektoren am Dach reduzieren die laufenden Energiekosten auf ein Minimum. Diese Energiegewinnung ist emissionsfrei und damit ein aktiver Beitrag zum Umweltschutz.

Reinhold Seeböck
01 / 2007 

Baudaten

Grundstücksfläche 562 m2
Bebaute Fläche 265 m2
Umbauter Raum 1350 m2
Nutzfläche 366 m2
Vol / Nfl 3,68

Planungszeit 2005 – 2006
Bauzeit 8 Monate
Fertigstellung November 2006

Bauherr Familie Massera
1190 Wien

Projektmanagement
Architektur
Generalplanung Arch.Mag.Gerhard Steixner
1070 Wien

Haustechnik Ing. Ulrich Hödlmoser
4901 Ottnang a.H.

Aktive Energieversorgung

Wärmepumpe Viessmann Vitocal 350 / 16,2 kW
65°C Vorlauftemperatur
Mit witterungsgeführter digitaler WP-Regelung
und integrierter Speichertemperaturregelung,
Solarregel- und Kühlregelfunktion
Tiefenbohrung 2 Erdsonden mit je 134 m
Pufferspeicher Viessmann Vitocell 050 / 400 Lit
Trinkwasserspeicher Viessmann Vitocell V100 / 390 Lit
Solarkollektoren Viessmann Vitosol 100 Flachkollektoren / 7,5 m2

Bilder / Bildzeilen

Bild 1

 
Villa Massera in Wien-Nussdorf

Bild 2

Hinter tapezierten Schiebetüren – die Wärmepumpen-Energiezentrale

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